Karriere und Selbständigkeit

TURNUSARZT.com startet die Reihe "Karriere", mit einem Interview über den Werdegang von Dr. Christopher Po Minar

Lieber Kollege Minar, du hast dich nach dem Erlangen des Jus Practicandi für die Selbständigkeit als Allgemeinmediziner entschlossen, warum?

Ich persönlich habe eigentlich nach meinem ersten Famulaturtag gewusst, dass ich nicht in einem gewöhnlichen Spital bleiben möchte. Da ich mich außerdem seit dem Studium immer schon sehr intensiv mit der traditionellen chinesischen Medizin befasst habe, dies sicherlich meine große Leidenschaft ist, und es derzeit ja kein wirkliches TCM Spital in Österreich gibt, war für mich der Weg in die Selbständigkeit klar. Während meiner Turnus-Ausbildung konnte ich, wie wohl jeder meiner Kolleginnen und Kollegen die, ich höflich ausgedrückt, „seltsamen“ Arbeitsbedingungen in den österreichischen Krankenhäusern am eigenen Leibe erfahren. Da hier zum damaligen Zeitpunkt keinerlei Besserung in Sicht war und dies, soweit ich es derzeit noch verfolgen kann, auch nicht ist, gab es nur einen Weg, ein vernünftiges Leben führen zu können: die Selbständigkeit.

 

Wie hat der Start ins eigene Unternehmen bei dir genau ausgeschaut

Ich habe schon ein bis zwei Jahre vor dem eigentlichen Schritt in die Selbständigkeit begonnen mich hierauf vorzubereiten. Dies ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Sich erst am letzten Arbeitstag Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen sollte, ist definitiv zu spät. Flexibilität und Fleiß sind am Beginn der Selbständigkeit sicherlich unabdingbar. Neben Praxisvertretungen als Allgemeinmediziner habe ich begonnen meine Privatordination für TCM aufzubauen, nebenbei mein zweites Standbein, das Unterrichten von Qigong gefestigt. Der Start war somit vielleicht schon ein Schritt ins Ungewisse, vielmehr aber ein Schritt in die Freiheit und die Möglichkeit das zu tun was man gerne tut.

 

Man sagt Ärzten oft einen großen Mangel an betriebswirtschaftlicher Kompetenz nach, was sagst du dazu, bzw. wie hast du die Umsetzung realisiert. 

Ich persönlich glaube, dass die Notwendigkeit betriebswirtschaftlicher Kompetenz im Rahmen der Praxisgründung überschätzt wird. Selbstverständlich habe ich Seminare zur Praxisgründung absolviert, allerdings glaube ich nicht, dass es unbedingt nötig ist einen Businessplan zu haben oder Ähnliches. Das was meiner Meinung nach wirklich von den meisten Ärzten unterschätzt wird, ist die Wichtigkeit von Werbung und Marketing. Eine gut gestaltete Homepage, die bei Google möglichst gut gereiht ist, ist heutzutage extrem wichtig. Die eigenen Stärken und das was einem von anderen Mitstreitern unterscheidet, muss deutlich hervorgehoben werden. Qualität und Service müssen in der Behandlung ebenso an erster Stellung stehen. Jedes E-Mail und jeder Telefonanruf muss beantwortet werden, jeder Patient ist ein VIP und soll so behandelt werden.

 

Externe Hilfe?

Selbstverständlich ist es hilfreich über ausreichend Kontakte zu verfügen und diese auch zu pflegen. Jedes Angebot sollte geprüft werden, jede Chance genutzt. Die Patientenrekrutierung über das Internet sollte aber, wie bereits oben erwähnt, nicht unterschätzt werden.

 

Welche Fehler würdest du rückblickend nicht mehr machen, bzw. welche Tipps gibst du jungen Kollegen, die ähnliches planen.

Ich persönlich glaube nicht, dass es ein „Falsch oder Richtig“ im Leben gibt. All die Dinge, die uns im Leben widerfahren sind und all die Entscheidungen, die wir getroffen haben, haben uns genau zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind. Wir machen Erfahrungen, und aus Erfahrungen sollten wir lernen. Mein persönlicher Tipp an alle Kollegen, die daran denken sich selbständig zu machen: Findet etwas, das ihr gerne tut, dann wird es euch nicht stören, viel Zeit darin zu investieren und Ihr werdet gut darin werden. Glaubt an euch und eure Fähigkeiten und arbeitet jeden Tag daran besser zu werden. Dann kann eigentlich nichts schief gehen. Auch wenn die Selbständigkeit sicherlich ein 24 Stunden Job ist der gerade am Anfang keine wirklichen  Ferien kennt, so ist das Gefühl die Früchte seiner eigenen harten Arbeit selbst zu ernten ein wunderbarer Lohn. Mut und Entschlossenheit sind die Schlüssel zum Erfolg.

 

Wie sehen deine langfristigen Pläne aus?

Ich bin derzeit am Erbauen eines TCM Zentrums bzw. Gesundheitszentrums an der Oberen Alten Donau in Wien. Dies soll auch Raum für Kollegen geben, die in diesem Bereich tätig sein wollen und einen Arbeitsplatz im Grünen schätzen. Meine langfristigen Pläne sind selbstverständlich meine Arbeitszeit wieder ein wenig zu reduzieren und eine ausgewogene Work-Life-Balance zu führen.

 

Zur Person:

Dr. Christopher Po Minar ist Arzt für Allgemeinmedizin und Traditionelle Chinesische Medizin in Wien. Er ist Gründer und Leiter des Anshen Institutes für TCM und Heilkunst und betreut in seinen zwei TCM Ordinationen mit großer Freude und vollem Enthusiasmus zahlreiche Patienten. 

 

Anshen Institut für Traditionelle Chinesische Medizin und Heilkunst
TCM Ordination Dr. Christopher Po Minar
Tel.: 0676/609 6757
http://www.anshen.at/
E-Mail: minar@anshen.at

Kommentare

scandoc User offline. Last seen 1 Stunde 56 Minuten ago.
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naja dieses "ergänzungs-"geschwafel, sorry meine ausdrucksweise, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher grundlage. ich beschäftige mich nunmal gern mit dem thema, und mir ist bewusst dass man offen sein muss für neue wege (das ist ja teil wissenschaftlichen denkens!), aber für dogmen (wie zb die thesen hahnemanns bei der homöopathie) bin ich nicht offen, schon gar nicht, wenn für den signifikanten behandlungserfolg der nachweis mittels seriöser studien fehlt.
 
also "einfach" sehe ich das bei gott nicht. ich bin mir auch der macht der pharmaindustrie bewusst. gleichzeitig sollte man sich aber auch der macht des wachsenden "para"-medizinischen marktes bewusst sein. menschen geben unmengen an geld für zuckerkugerln und alkohollösungen aus, deren tatsächlicher materialwert nur ein bruchteil des preises ausmacht, ohne dass es jemals irgendeinen wirkungsnachweis dafür gegeben hat.
 
aber eigentlich wollte ich mit meinem kommentar niemandem auf den schlips treten. ich finde es einfach seltsam dass jemand, der in einem studium zu wissenschaftlichem denken geschult wird, an methoden gefallen gewinnt, die weder wissenschaftlich haltbar sind noch einem seriösen wirkungstest standhalten können, ja und unter umständen sogar gefährlich sein können. so gab es schon nach ayurveda-"behandlungen" lebensgefährliche quecksilbervergiftungen, um jetzt nur ein beispiel zu nennen.
 
noch eine kleine anmerkung zur (durchaus esoterisch anmutenden) homepage des vorgestellten kollegens: http://www.anshen.at/?cat=24
wenn ich nur das wort "meister" höre, dann läuten bereits die alarmglocken. ärzte brauchen keinen "meister" dessen "weg" sie erlernen müssen.
 
aber ich geb schon ruh...

Medicus2010 User offline. Last seen 1 Stunde 42 Minuten ago.
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du musst keine ruhe geben;-) finde das schon viel verständlicher als dein 1. Posting. Ich geb dir Recht, kenne auch Kollegen die Energiewellen Therapie anbieten (angeblich sogar per Telefon möglich). Da hört bei mir die Akzeptanz auch auf. Bei der Akupunktur, möchte ich dir natürlich widersprechen, da es doch mittlerweile viele unabhängige Studien gibt, die zumindestens eine positive Wirkung zeigen, und im Gegensatz zur Homöop. von der ÄK anerkannt ist. Aber ja es bedarf auch in der Akup. weiterer Forschung und ich sehe sie persönlich nicht als Ersatz der Schulmedizin sondern nur als Ergänzung. 
bzgl. des Kollegen, ohne ihn verteidigen zu wollen: der artikel war nicht als werbung für TCM gedacht und ich denke wenn man seinen asiatischen Background und die dortige Philosophie und Geschichte der Akup. beachtet, versteht man auch das Wort "Meister". 

scandoc User offline. Last seen 1 Stunde 56 Minuten ago.
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zur akupunktur nur noch der hinweis auf die GERAC-studien (die dir sicherlich geläufig sind) - jene akupunkturstudien, die weltweit grössten untersuchungen über die wirksamkeit der akupunktur:
 
„Die allein historisch begründete Darstellung der Punktspezifität chinesischer Akupunkturpunkte in der ärztlichen Akupunkturausbildung (Akupunktur Fort- und Weiterbildungsseminaren) ist klinisch wenig relevant.“
(Molsberger, A. GERAC Trials in Germany – Overview, results and impact. Keynote lecture at the 10 Years Post-NIH Consensus Conference, Nov 8.-11. 2007. University of Maryland, Baltimore, MD, USA)
 
sprich: es ist offenbar wurscht wo genau man reinsticht, was die dahinterliegende (dogmatische) theorie eigentlich wiederum ad absurdum führt und was den verdacht nährt, dass der placebo-effekt eine nicht zu verachtende rolle spielt (wie auch selbstverständlich bei vielen anderen etablierten therapien) - was ja prinzipiell kein problem ist. nur bewusst sollte man sich dieser tatsache sein.

Medicus2010 User offline. Last seen 1 Stunde 42 Minuten ago.
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klar, diese Studie ist jedem akupunktur interessierten ein begriff und wird von beiden seiten (Gegner und Befürworter) gerne verschieden interpretiert. empfehle dir folgenden Spiegelartikel dazu: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-32565481.html

Medicus2010 User offline. Last seen 1 Stunde 42 Minuten ago.
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hmm, damit waren eher Kollegen gemeint, die ebenfalls nicht deiner Meinung sind, obwohl ich selbst schon lang wissentschafltlich arbeite sehe ich das nicht so einfach wie du, ich bin aber auch kein anhänger der Homöopathie, oder gar paranormaler chirurgie, die Akupunktur jedoch sehe ich  persönlich als eine gute und interessante Ergänzung zur Schulmedizin. 
ps: bin kein Vertreter der Eso branche, nur ein Knecht der Pharmabranche, wie wir alle;-)   
para chirurgie: http://www.youtube.com/watch?v=fuEdLqil6u4
pharma lobby: http://www.youtube.com/watch?v=yW405x_18_0&feature=player_embedded

scandoc User offline. Last seen 1 Stunde 56 Minuten ago.
Facharzt
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wer ist "wir"? die eso-branche? oder soll das ein pluralis majestatis sein?

Medicus2010 User offline. Last seen 1 Stunde 42 Minuten ago.
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 da sind wir aber froh, dass nicht jeder so denkt wie du  Wink

scandoc User offline. Last seen 1 Stunde 56 Minuten ago.
Facharzt
Augenheilkunde
Beigetreten: 27.05.2009
Beiträge: 749

sorry.. aber ich werde nie begreifen wie man sich einerseits für ein wissenschaftliches studium interessieren und begeistern kann, gleichzeitig aber am eso-markt mitmischt (TCM, homöopathie und co) und seine patienten täuschen. klar, diese verlangen das eine oder andere, aber ist das ein grund?
 
zu diesem thema, alt aber gut:
http://www.youtube.com/watch?v=HMGIbOGu8q0

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