Das AKH kämpft um seinen Nachwuchs

Der Beigeschmack ist wahrlich ein schaler. Die Anfang der 90er in Betrieb gegangene Universitätsklinik, die einerseits von der Stadt Wien (Pflegepersonal, Verwaltung) und der MUW (Ärzteschaft) finanziert wird, ist nun von radikalen Sparmaßnahmen betroffen. Es scheint nun im Jahr 2011 aufgrund unzureichender Finanzierung seitens der MUW (die ein budgetäres Loch von neun Millionen Euro zu stopfen hat), mangelnder wirtschaftlicher Führung und nicht vorhandener Interesse seitens der Politk so weit zu sein, dass die vielen ohnehin sparsam geführten Diensträder weiter ausgedünnt werden. Das Wiener AKH, das für seine vielen klinischen und von seitens der Forschung großen Erfolge weltweit bekannt ist, wird am nächsten Jahr mit weniger Ärzten auskommen müssen.

 

Ein Beispiel: Bis dato hat ein Arzt in einem Nachtdienst zwei Stationen auf einer Ebene betreut (sic!), nach einem möglichen neuen Schema, soll der Stationsarzt drei Stationen während der Nacht überwachen. Von betreuen kann hier keine Rede mehr sein. Es ist weiter unklar, wie viel Stunden mehr Ärzte im AKH ohne geregelte Pause arbeiten müssen. Schon jetzt gibt es Stationen, an denen Ärzte über 49 Stunden am Stück (!) arbeiten. Völlig unvorstellbar, welcher Arzt nach 24 Stunden im Dienst noch zurechnungsfähig ist. Dass Schlafentzug in anderen Staaten als Foltermethode angewendet wird, lässt solche Zustände in ein noch schlechteres Licht rücken.

 

Der Betriebsrat der AKH-Belegschaft Dr. Thomas Szekeres fordert von der Politik akut Geld, in ein zwei Jahren können man dann über eine Strukturreform einigen. Zumindest hier sind sich die meisten Seiten einig. Die momentane komplexe Finanzierung sollte vereinfacht und in eine vertrauenswürdige Hand gelegt werden. Schon jetzt muss die MUW für die Hälfte des Budgets für Patientenversorgung aufkommen, wobei Aufgabe einer Universität hauptsächlich die Lehre und die Forschung sein sollten. Für die meisten MUW-Ärzte bleibt zwischen Bürokratie, Überstunden und Patientenkontakt wenig Zeit für aussichtsreiche Forschung und fortschrittliche Lehre.

 

Das ärztliche Personal des AKHs ist sich jedenfalls sicher, dass es nicht die letzte Betriebsversammlung gewesen sein wird. Das Wort Demonstration ist zwar noch nicht gefallen, aber bei weiterer Desinteresse seitens der Politik wird es wohl nicht bei Betriebsversammlungen bleiben.

 

zum Nachlesen:

www.rettetakh.at

Betriebsrat der MUW

Die Presse, Der Standard, Wiener Zeitung

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