Themenreihe Transkulturelle Medizin: "Wer kennt den bösen Blick?"

Im Rahmen des Medsuccess Vortrages “Verstehen Sie ausländisch” präsentieren wir euch in kurzen Abständen Informationsartikel über kulturelle und religiöse Gepflogenheiten von Patienten mit Migrationshintergrund. Wir hoffen, damit Missverständnisse im täglichen Umgang mit Patienten zu reduzieren!

Beginnen möchten wir die Reihe mit einem sehr weitverbreiteten Aberglauben: Dem "Bösen Blick". Der böse Blick wird auch El Nazar, Ayin Harscha, Il Malocchio genannt. 

Häufig wird man - ohne sich dessen bewusst zu sein - im Alltag mit diesem Thema konfrontiert. Man denke an den Türkeiurlaub oder an die komische Halsketten der Patienten, die ein Auge in der Mitte darstellen. Was hat es aber mit diesem Blick auf sich?

Unter dem Aberglauben “Böser Blick” versteht man eine Fähigkeit, die gewisse Menschen, Tiere, Geister oder Götter besitzen, durch bloßes Ansehen anderen Personen oder Dingen Schaden zufügen. Von allen Formen des Volksglaubens ist derjenige des “Bösen Blicks” die weltweit verbreitetste und älteste.

Als besonders gefährdet gelten im Volksglauben Kinder - vor allem Neugeborene - da in den ersten Lebensjahren die Gefahr der Infektion mit ansteckenden und schweren Krankheit weitaus höher als in den späteren Jahren ist.

Es gibt weltweit zahlreiche verschiedene Rituale, um die Wirkung des “Bösen Blicks” verhindern. Bei der Konfrontation mit unglücklichen Ereignissen oder wenn diese erwähnt oder angedeutet werden sowie um sich vor dem “Bösen Blick” zu schützen kann die Person, die das Unglück abwenden möchte, z.B. „auf Holz klopfen“.  

Andere "schützende" Gegenstände

Europa: Hufeisen

Italien: Coma 

Im islamischen Orient und Nordafrika: das blaue Auge - „Auge der Fatima“. 

Auch mit Koransuren besprochene oder beschriftete Bändchen, Stoffe oder Papierröllchen sind Zeichen für Schutz und Hilfe. Sie können beim Kind liegen, an der Kleidung befestigt sein oder direkt am Körper getragen werden. Niemals sollte man diese schützenden Objekte ungefragt entfernen.

Auch wenn es aus wissenschaftlicher Sicht ein Aberglaube ist, sollte man als Arzt den Glauben der Patienten, egal wie absurd er einem persönlich erscheint, immer mit Respekt behandeln und sehr behutsam mit diesem Thema umgehen.

 

In unserem nächsten Beitrag geht es dann um die Frage: Darf ich einer gläubigen Muslimin die Hand schüttlen?
Wir möchten hier nochmals auf den Medsuccess Vortrag: " Verstehen Sie ausländisch" aufmerksam, den wir gemeinsam mit engagierten Ärzten abhalten.

AR

 

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