Emergency Room in Brooklyn NY

Seit dem ich zu Beginn meines Studiums von dem New Orleans Emergency Room Programm (NOERP) gehört habe war für mich klar: Ich will einen Amerikanischen ER von innen sehen...

Das größte Problem bei der Umsetzung meines Vorhabens stellte – wie schon zu manch anderem Zeitpunkt – die Flexibilität des Studienplanes der MUW dar. Noch bevor ich ein OK der Uni in Händen hielt meldet ich mich für eine zwei monatige Famulatur an der State University of New York in Brooklyn NY. Die MUW zeigte sich von meinen Plänen Jänner und Februar im Ausland zu verbringen wenig begeistert und es erforderte viel bitten um mit Hilfe des Wissenschaftstertials und Ersatzleistungen abwesend sein zu dürfen.

Bereits ein Monat nach meiner Bewerbung hatte ich die Zusage für die Famulatur in Händen und es wurde ernst. Als erstes lernte ich meine mir bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Kollegin kennen mit der ich mich an die einigermaßen chaotische Planung unserer Reise machte.

Trotz mehrmaligem Zweifeln ob man nun wirklich alle Unterlagen für die nächsten Monate zusammen hat machten wir uns zwei Tage vor Silvester auf nach New York. Voller Elan und Vorfreude setzten wir uns in ein Taxi und fuhren zu unserem Wohnheim. Die anfängliche Sorglosigkeit fand jedoch bereits nach einer knappen Stunde im Big Apple ein jähes Ende. Grund war, dass uns bereits beim Einzug in das Studentenwohnheim klar gemacht wurde, dass die Gegend in der wir uns befanden nicht zu den besten gehören würde (Die Universität bietet bei Nacht den Service an, von einem Security-Officer (von denen es am Campus Unmengen gab) zur nächsten U-Bahn Station gebracht oder auch abgeholt zu werden).

Nach der ersten Woche der Akklimatisierung haben wir gelernt nicht jede Angst der Amerikaner zu teilen und der Ernst der Notaufnahme konnte beginnen. Wir hatten pro Monat 24 Dienste zu je acht Stunden zu absolvieren hatten. Diese teilen sich in Vormittag-, Nachmittag- und Overnightshifts im ER auf.

Die Notaufnahme war in drei Bereiche geteilt die man immer wieder durchlief:
1.    Adult ED: Die Notaufnahmen für Erwachsene sind im Prinzip vergleichbar mit internistischen Notfallaufnahmen in Österreich. Die häufigsten Krankheitsbilder die man hier antrifft sind koronare Herzkrankheiten, Hypertonie, Diabetes und Asthma. Davon abgesehen sieht man jedoch auch – für Österreich – sehr seltene Erkrankungen wie Sichelzellkrisen, Tbc oder AIDS.
2.    Peds ED: Die Kindernotaufnahme ist, da viele Patienten keinen niedergelassenen Kinderarzt aufsuchen mit einer Kinderarztpraxis vergleichbar. Die meisten Patienten sind wirklich witzig und auch nicht schwer krank. Hier durften wir wirklich an den Patienten lernen und auch Untersuchungen selbst durchführen.
3.    CCT: Critical Care and Trauma. Die CCT Station ist für alle Fälle zuständig dich nicht im Adult ED behandelt werden können. Das Spektrum reicht hier von Insulten und Diabetesentgleisungen über Autounfälle bis hin zu Stich- und Schusswunden.

Diese Stich- und Schusswunden waren mitunter das Interessanteste an unserer Famulatur. Gleich im ersten Dienst bekamen wir zwei GSWs (gun shot wounds) zu sehn, wobei einer der Patienten gerad 15 Jahre alt war und sechsmal angeschossen wurde. Bei solchen Fällen  kam es dann schon ab und zu vor, dass man vom diensthabenden Unfallchirurgen eine Lecture über Ballistik und Schusswaffen erhielt. Auch das ein oder andere Zitat eines Angeschossenen wie z.B. „Listen, i am not going to tell you who shot me – the street is going to handle that“ werden ich doch länger in Erinnerung behalten.

Der Ablauf der Dienste sah so aus, dass wir jeweils zu Beginn und Ende Visiten machten bei denen wir nochmals die Patienten vorstellten und das weitere Procedere besprachen. Unsere Aufgabe war es außerdem Patienten aufzunehmen, zu statuieren und sie dem zuständigen Arzt zu präsentieren. Meistens wurde noch im kleinen Kreis die anschließende Diagnostik und Therapie besprochen. Die meisten Ärzte waren sehr zuvorkommend und halfen und hielten Lectures wann immer es möglich war. Sprachliche Schwierigkeiten gab es nur sehr selten da es die New Yorker gewohnt sind mit allen möglichen Nationalitäten zu tun zu haben und deshalb sehr geduldig sind.
Der wahrscheinlich größte Unterschied zu österreichischen Spitälern war, dass sehr wenig Pflegepersonal angestellt ist und dadurch die Patientenabwicklung anfangs etwas chaotisch erscheint. Es kommt vor, dass Schmerzpatienten über sechs Stunden auf die ersten Schmerzmedikamente warten.

Gewohnt haben wir im Studentenheim der Universität welches zwar schon älter ist aber den Zweck erfüllt. Für 531$/Monat war es für New Yorker Verhältnisse billig und manchmal hat man noch dazu das Glück in einem Doppelzimmer alleine zu wohnen.

Zu New York ist noch zu sagen, dass es eine geniale Stadt ist und auch wenn man es nicht glaubt man kommt mit zwei Monaten nicht aus um sich alles anzusehen was zu sehen ist. Fixpunkte die ich jedem ans Herz legen kann, sind die Brooklyn Heights Promenade und der Brooklyn Bridge Park. Auch den „Meatpacking District“ bei Nacht sollte man auf keinen Fall auslassen. An jeder Ecke ein Club – unendlich viele Bars – für jeden was dabei.

Hannes Dedl

 

Kommentare

cryonic User offline. Last seen 1 Jahr 6 Tage ago.
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Medizinstudent
4. Jahr Humanmedizin (neuer Studienplan)
Beigetreten: 27.05.2009
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Gruppen: Keine

 also auf ne Stadt mit ner derartigen Kriminalitäts- und GSW-Rate hab ich ehrlich gesagt weniger Lust, bin ja nicht lebensmüde! Aber denen denen das nichts ausmacht gönn ichs allemal!  Wink

sms User offline. Last seen 41 Wochen 6 Tage ago.
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Beiträge: 18

Sehr laessiger Bericht - the city that never sleeps!

andoline User is online
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Beigetreten: 27.05.2009
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 Toller Bericht. Smile
Da möcht man gleich selber dorthin ... das liebe Fernweh.

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