Claudius Galenius

In unserer Reihe "Historisches aus der Medizin" ergründen wir diesmal den Ursprung der Galenik, der Säftelehre, die Kardinalzeichen der Entzündung und die ersten chirurgischen Eingriffe...

 

 

 

Wer sich in einem Pharma-Seminar mit der Frage beschäftigen musste, welche Applikationsform die am besten geeignete für ein Medikament ist, der hat sich automatisch mit der Galenik beschäftigt. Ob Pulver, Tablette, Zäpfchen oder doch per Injektion: alles Thema der Galenik.

 

Galenik.

Eigenartiges Wort, eigentlich. Es wird Zeit, der Frage nach zu gehen, woher es stammt.

Claudius Galenius, geboren wahrscheinlich um 129 in Kleinasien und verstorben 199 in Rom, gilt gemeinsam mit Hippokrates als bedeutendster Arzt der Antike. Wie es sich aber für einen echten Altertümler gehört, begann er auf Anraten seines Vaters sich mit der Philosophie zu beschäftigen. Erst später – wahrscheinlich im Alter von 17 oder 18 – wandte er sich der Medizin zu.

 

Säftelehre

Nach dem Studium, das etwa 12 Jahre gedauert haben dürfte, begann er zunächst in seiner Heimat in Pergamon (heutige Türkei) und spätestens ab 161 in Rom seine Tätigkeit als Gladiatorenarzt. Dies diente aber wohl nur als Nebenverdienst, denn sein eigentliches Interesse galt der Anatomie, vor allem aber den „Säften“. Galen – der Vorname Claudius ist nicht gesichert, er taucht erst wesentlich später das erste Mal auf – entwickelte eine Theorie zum Körpersystem des Menschen, wonach die 4 Säfte, Blut, Schleim, Galle und schwarze Galle, in einem Gleichgewicht stehen müssen. Ist dieses Gleichgewicht nicht gegeben (Dyskrasie), wird der Mensch krank.
Die „Säftelehre“ – Humoralpathologie – geht vermutlich weit bis ins alte Ägypten zurück, Galen war allerdings der erste, der sich eingehend und auch schriftlich damit beschäftigte. Für ihn entsprechen diese Säfte den 4 Elemente (zB Blut für Luft), den 4 Temperamentstypen (Blut für Sanguiniker, für heiter und männlich; Schleim für Phlegmatiker, für den trägen Greis) und auch für 4 verschiedene Geschmacks“richtungen“ (Blut = süß, Gelbe Galle = bitter, Schwarze Galle = scharf und Schleim = salzig).

Diese Geschmacksrichtungen waren besonders in der Diagnostik von Krankheiten wesentlich, um den Ausgangspunkt für die Dyskrasie orten zu können. Die Harnschau – die Überprüfung des Morgenurins auf Dichte, Farbe (etwa 20 verschiedene Farbtypen wurden unterschieden), Geruch, Geschmack und Sediment – als wichtigstes diagnostisches Mittel geht auf Galen zurück und hatte bis ins 18. Jahrhundert wesentliche Bedeutung.

 

Rubor, Calor, Dolor, Tumor.

Die Kardinalzeichen der Entzündung. Wer kennt sie nicht? Von Celsus etwa 150 Jahre vor Galen beschrieben, ergänzte der sie um den nicht unwesentlichen Faktor „Functio Laesia“ und gilt somit auch als Wegbereiter der Lehre der Entzündungen.

Galen dürfte seine Erkenntnisse in erster Linie aus der Sektion und Vivisektion von Tieren (vor allem Schweinen und Hunden) gezogen haben. Diese hatten teilweise bis ins 19. Jahrhundert Gültigkeit und galten als Lehrgrundlage. Erst ab dann wurde eindeutig klar, dass seine Beschreibungen fehlerhaft waren, da Galen nie einen Menschen seziert haben dürfte, sondern eher seine Ergebnisse von Tiersektionen auf den Menschen übertragen haben.

 

Erste chirurgische Eingriffe

Als Galen 199 starb, hatte er 400 – 500 medizinische Abhandlungen verfasst (die später in 70 Büchern zusammengefasst wurden), war als Veranstalter öffentlicher Vorträge bekannt und arbeitete für mehrere Cäsaren hintereinander (darunter Marcus Aurelius). Die Olympischen Spiele nutzte er mehrmals für die direkte Untersuchung der Anatomie, besonders des Muskelapparats, der durchtrainierten Sportler, aber auch für die direkte Anwendung seiner Therapiemethoden.
Diese Therapiemethoden bestanden hauptsächlich in rudimentären chirurgischen Eingriffen (Aderlass oder Schröpfen), aber auch das gezielte Abführen oder Erbrechen. Galen beschränkte sich dabei aber nie nur auf Symptome, sondern vertrat eine frühe ganzheitliche Medizin, in der er sich mit der Lebensgeschichte seiner Patienten, mit ihrer Psyche, aber auch mit ethischen und philosophischen Fragen beschäftigte.

Galen und sein Name haben bis heute Bedeutung in der Medizin. Wie erwähnt geht die Galenik auf ihn zurück, ebenso wie die Bezeichnung „Galen Vene“ für die Vena cerebri magna. Seit 1985 wird der deutsche „Galenus von Pergamon“ Preis jährlich für Verdienste im Bereich der Pharmakologie vergeben.

Johannes Rigal

Quellen:
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1281&RID=1
http://www.onmeda.de/lexika/persoenlichkeiten/galenus.html
http://www.medizinfo.de/arzneimittel/galenik/definition.shtml
Lippert, Herbert (2003): Lehrbuch Anatomie. München: Urban&Fischer.

Bilder:
Wikipedia.org

 

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