Interview: Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland

Prof. Körner ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Zentralklinikum Suhl. Er informierte auf der MedSuccess über die Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland, speziell in seiner Klinik und hat sich freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung gestellt.

Gibt es Probleme, nach dem Studium in Österreich ohne ius practicandi in Deutschland eine ärztliche Ausbildung zu machen?

Nein, man bekommt eine sogenannte Konformitätsbescheinigung. Das bedeutet, dass das Medizinstudium in Österreich gleich viel wert ist, wie das deutsche. Man kann dann bei der jeweiligen Landesärztekammer eine temporäre Arbeitserlaubnis beantragen, die man allerdings alle zwei Jahre erneuern muss.

Wie sieht die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland für österreichische Absolventen aus?

In den Ballungsräumen und an Unikliniken ist es natürlich schwieriger, weil dort der Ärztemangel nicht so ausgeprägt ist. Generell gilt nämlich: Wer kein deutscher Staatsbürger ist, muss eine Arbeitserlaubnis beantragen. Das bedeutet, dass die Klinik dem Arbeitsamt nachweisen muss, dass die Stelle mit einem deutschen Arzt nicht besetzt werden kann.
In ländlichen Gebieten gibt es zwar genug offene Stellen. Aber auch hier gibt es ein Unterschiede zwischen Norden und Süden, Osten und Westen - z.B. kann es im südlichen Teil von Bayern auch auf dem Land schwierig werden, eine Stelle zu bekommen.

Welche Fächer werden besonders gesucht?

Im Moment sind das vor allem die Fächer Anästhesie, Chirurgie, Innere Medizin und Neurologie. Andere Fächer haben aber auch noch freie Stellen. Die Ausbildung in Deutschland wird von den österreichischen Ärztekammern fast immer angerechnet, nur in ganz seltenen Fällen, z.B. bei der Orthopädie/Unfallchirurgie sind die Fachgebiete anders definiert.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Da müssen sie Folgendes beachten: Nicht jeder Chefarzt hat die volle Weiterbildungsbefugnis! Das bedeutet, sie können einen Facharzttitel nur erwerben, wenn sie bei einem Chefarzt sind, der eine Weiterbildungsbefugnis für ihre gesamte Ausbildungszeit hat. Die bekommen aber nur Chefärzte, die eine bestimmte Zeit in ihrem Fach gearbeitet haben und einer Klinik mit ausreichender Größe vorstehen. Also sollten Sie sich auf der Homepage der jeweiligen Landesärztekammer informieren; dort sind alle Chefärzte mit ihrer Weiterbildungsbefugnis aufgelistet.

Wie sind die Arbeitsbedingungen allgemein in Deutschland?

Das europäische Arbeitszeitgesetz ist in Deutschland strikt umgesetzt. Die normale Wochenarbeitszeit dauert 48 Stunden, das Opt-out (Vereinbarung über eine verlängerte Arbeitszeit, Anm. d. Red.) 60 Stunden. Üblich sind die 60 Stunden mit durchschnittlich 4 Diensten pro Monat, entweder 16h Nachtdienst oder 24h Wochenenddienst. Es ist durch das Arbeitszeitgesetz nicht möglich, dass ein Arzt länger als 60 Stunden in der Woche arbeitet. In den Diensten muss die Ruhezeit mindestens 50,1 % betragen, dafür wird aber 80% der Dienstzeiten als regelmäßige Arbeitszeit bezahlt. Ein typisches Gehalt im ersten Jahr wären 3200-3600 € plus 1000 € für die Dienste. Das Gehalt steigt dann pro Jahr um etwa 100 €. Es gibt immer einen Tarifvertrag und die Gehälter sind überall vergleichbar. Auch im Osten wird mittlerweile genausoviel bezahlt wie im Westen.

Wie sieht es mit einer wissenschaftlichen Karriere aus?

Man kann in einem Lehrkrankenhaus parallel zur Ausbildung eine Doktorarbeit schreiben, wenn man einen Betreuer gefunden hat. Das wird dann natürlich eher eine klinische Doktorarbeit sein. Wenn sie damit fertig sind, bekommen sie den deutschen Titel "Dr. med."; ansonsten sind sie eben "Dr. med. univ.". Für eine Habilitation wird eine Doktorarbeit vorausgesetzt.

Wann soll man sich bewerben und was sollte man sonst noch beachten?

Es reicht, wenn man sich im letzten Semester bewirbt. Allerdings gibt es einige Formalitäten zu klären, was Zeit dauern kann. Ich empfehle, sich an eine Personalvermittlungsagentur zu wenden, die so etwas erledigt. Sonst kann es z.B. sein, dass sie häufig nach Deutschland fahren müssen, um irgendwelche Behördengänge zu machen. Unsere Krankenhäuser haben eine eigene, für die Sie nichts bezahlen müssen. Es gibt aber auch andere, die teilweise kostenpflichtig sind und nicht alle sind seriös. Am sichersten ist es, wenn sie sich an eine große Personalvermittlung wenden, die viele Krankenhäuser vertritt. 

Herr Professor, wir danken ihnen für dieses Gespräch.

Simon Zöllner

Kommentare

MadDoc23 User offline. Last seen 45 Wochen 3 Tage ago.
Medizinstudent
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 Gibbon , du bist echt gut informiert,solltest  selbst eine Ärztevermittlungs/beratungsagentur gründen und damit dein Brot verdienen  Cool
 

 

Ich selber würde gern nach De gehen und ich mag auch nicht wenn mir jemand Märchen erzählt und versucht etwas Faules zu verkaufen, aber du siehst alles oft in deiner Posts sehr schwarz. Du hast echt ein Problem mit Deutschland weil wahrscheinlich eine persönliche Komponente durch negative Erfahrungen mit De eine Rolle spielt. 
Man sollte es wirklich real anschauen, egal wie schlecht die Ausbildung, und Mangel an OAs, bekommt man noch immer  FA nach 5 Jahren laut zeugen Wink. learning by doing in De ohne chef bring meiner Meinung nach viel mehr als learning by listening from the third row im Turnus, während du Blut abnimmst und deine Meinung jedem wurscht ist.. In Ö hast in 5 Jahren erst mal dein Turnus fertig (inkl. Wartezeiten) was sehr zweifelhaft als eine ausbildung einzustuffen ist und erst dann musst noch die Facharztausbildungsstelle suchen die auch nicht viel besser als die Deutsche ist( Strukturierte Ausbildung nur am Papier, praktisch obwohl genug OA sehr schlecht umgesetzt)
 
Schlussendlich landest vielleich wieder in De weil du in Ö nicht dein Wunschfach findest  Cool  
 
Trotz deiner scharfen Kritik freue ich mich auf deine Beiträge  Wink
 
LG und mach`s gut 

  Mad 
 

 
 

rambo User offline. Last seen 13 Wochen 6 Tage ago.
Bild von rambo
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Allgemeinmedizin
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Beiträge: 821

dieser körnerscheint von der arbeitstechnischen realität in seinem eigenen land nicht viel ahnung zu haben. was der da zum teil für einen schwachsinn verzapft, von wegen arbeitsgenehmigung.
 
 
 

Gibbon User offline. Last seen 1 Jahr 41 Wochen ago.
Medizinstudent
Beigetreten: 27.05.2009
Beiträge: 1637
Gruppen: Keine

 
In diesem Interview gibt es einige Ungereimtheiten und Fehler:
 
 
 
Nein, man bekommt eine sogenannte Konformitätsbescheinigung. Das bedeutet, dass das Medizinstudium in Österreich gleich viel wert ist, wie das deutsche.
 
 
 
Falsch - völlig unnötig. JEDER EU-Medizinabschluß ist dem deutschen gleichwertig und es braucht keine wie immer geartete "Konfromitätsbescheinigung".  Offenbar ist die EU-Richtlinie 93/16 unbekannt.....
 
 
 
In den Ballungsräumen und an Unikliniken ist es natürlich schwieriger, weil dort der Ärztemangel nicht so ausgeprägt ist.
 
 
 
Falsch. In den Unikliniken im Osten und - zunehmend - im Westen bekommt man in praktisch allen Fächern außer Derma, HNO, Augen oder Kinder (im Osten auch Kinder schon recht offen) auch schon praktisch jederzeit eine Stelle. Weil man Deutsch als Muttersprache hat..........Und selbst in den Millionenstädten München, Hamburg oder Berlin ist es kein Problem mehr -  beim Prinzip "Nehme Alles" - eine Stelle zu kriegen.
 
 
 
Wer kein deutscher Staatsbürger ist, muss eine Arbeitserlaubnis beantragen. Das bedeutet, dass die Klinik dem Arbeitsamt nachweisen muss, dass die Stelle mit einem deutschen Arzt nicht besetzt werden kann.
 
 
 
Was für ein Quatsch ! Ein EU-Bürger braucht mitnichten eine Arbeitserlaubnis in Deutschland (wird aber im Osten immer und immer und immer wieder behauptet, die lernen es einfach nicht !), der braucht nirgendwo in der EU mehr eine Arbeitserlaubnis. Die Klinik muß dem Arbeitsamt nachweisen, daß sie keinen EU-Bürger als Arzt an der Hand hat, ehe sie einen Nicht-EU-Bürger nehmen darf (z.B. aus Syrien, dem Irak oder Weißrußland wie im Osten seit Jahren praktiziert....)
 
 
 
z.B. kann es im südlichen Teil von Bayern auch auf dem Land schwierig werden, eine Stelle zu bekommen.
 
 
 
Genau ! Und deshalb suchen etwa die Kliniken in Rosenheim, Traunstein, Wasserburg, Mühldorf (Inn), Altötting, Eggenfelden, Passau etc. ständig Ärzte in Österreich. Gut, muß man in Suhl hinter den 7 Bergen nicht unbedingt wissen........
 
 
 
Das europäische Arbeitszeitgesetz ist in Deutschland strikt umgesetzt.
 
 
 
Und zwar deshalb, weil es ein "europäisches Arbeitszeitgesetz" nicht gibt, kann man es in Deutschland auch strikt umsetzen - Quatsch mit Soße.
 
 
Es gibt die Arbeitszeitrichtlinie (Europa) und das deutsche Arbeitszeitgesetz.
 
 
 
Die normale Wochenarbeitszeit dauert 48 Stunden, das Opt-out (Vereinbarung über eine verlängerte Arbeitszeit, Anm. d. Red.) 60 Stunden. Üblich sind die 60 Stunden mit durchschnittlich 4 Diensten pro Monat, entweder 16h Nachtdienst oder 24h Wochenenddienst.
 
 
 
Opt-Out ist aber individuell und man kann nicht dazu gezwungen werden ! Üblich sind keineswegs 60 Stunden, genauso wenig wie 24 h (!!) Wochenenddienst üblich sind. Vielleicht in Suhl, aber nicht mehr flächendeckend im Westen.
 
 
 
In den Diensten muss die Ruhezeit mindestens 50,1 % betragen, dafür wird aber 80% der Dienstzeiten als regelmäßige Arbeitszeit bezahlt. Ein typisches Gehalt im ersten Jahr wären 3200-3600 € plus 1000 € für die Dienste. Das Gehalt steigt dann pro Jahr um etwa 100 €. Es gibt immer einen Tarifvertrag und die Gehälter sind überall vergleichbar. Auch im Osten wird mittlerweile genausoviel bezahlt wie im Westen.
 
 
 
Was für ein Unfug ! In den Diensten kann die Ruhezeit auch weit weniger als 50% betragen, nur ist es dann voller Schichtdienst und entsprechend teuer für den Arbeitgeber, zudem muß dann ein 3-Schicht-Betrieb laufen. Auch nicht so beliebt bei Ärztemangel. Daß 80% der Dienstzeit als regelmäßige Arbeitszeit bezahlt wird, ist ein Märchen und nicht einmal tarifvertraglich notwendig.
 
 
Zu den Gehältern ist zu sagen: Diese Angaben sind alle BRUTTO und es gibt in Deutschland keinen 13. und 14. Monatsgehalt mehr - wie in Österreich auch im Turnus. Jahresgehalt ist also nicht so dolle in Deutschland - dazu kommt die insgesamt höhere Abgabenlast (Steuern+ Renten/Krankenversicherung/ Pflegeversicherung/Solidaritätszuschlag und etwa höhere Spritpreise).  Die Gehälter sind NICHT überall vergleichbar, weil Dienste z.T. noch unterschiedlich bezahlt werden bzw. unterschiedliche Zusatzeinkommen bestehen können ( Gutachten....) und auch die Chefärzte unterschiedlich viel von den "Privatpatienten" an die Assis ausschütten.
 
 
 
 
Man kann in einem Lehrkrankenhaus parallel zur Ausbildung eine Doktorarbeit schreiben, wenn man einen Betreuer gefunden hat
 
 
 
Für Ösis komplett überflüssig und meist neben der Arbeit bei den Deutschen von übelster Qualität.
 
 
 
 
Ich empfehle, sich an eine Personalvermittlungsagentur zu wenden, die so etwas erledigt. Sonst kann es z.B. sein, dass sie häufig nach Deutschland fahren müssen, um irgendwelche Behördengänge zu machen. Unsere Krankenhäuser haben eine eigene, für die Sie nichts bezahlen müssen. Es gibt aber auch andere, die teilweise kostenpflichtig sind und nicht alle sind seriös. Am sichersten ist es, wenn sie sich an eine große Personalvermittlung wenden, die viele Krankenhäuser vertritt.

 
 
 
 
Vielleicht im Osten, ansonsten selbst bewerben und z.B. auf turnusarzt.com oder beim Marburger Bund informieren, worauf man achten sollte. Eine Personalvermittlungsagentur, bei der man SELBST etwas bezahlen muß, ist für Deutschland eher ein Witz und eines sollte einem klar sein: Die Klinik bezahlt die Personalvermittlung, nicht der Arzt !
 
 
 
 
 
 
 
 

Goldmember User offline. Last seen 17 Wochen 5 Tage ago.
Assistenzarzt
Beigetreten: 05.06.2009
Beiträge: 57

Alle Achtung....
 
Gibbon ist zwar oft zynisch, aber er hat definitiv Ahnung.
 
Smile
 
Toll. Danke dir für die Infos und die klaren Worte.

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